Behinderte Menschen und ihre Probleme
Gut jeder zehnte Bürger ist heutzutage behindert. Unterschieden wird hierbei in geistige, körperliche und motorische bzw. sensorische Behinderungen. Behinderte Menschen haben es jedoch in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren nicht leicht. Denn allzu oft fristen sie ein trostloses Dasein am Rande der Gesellschaft. Das beginnt bereits in der Schule. Behinderte Kinder erhalten fast ausschließlich Zugang zu Sonder- oder Förderschulen. Damit wird ihnen das Recht auf eine angemessene und für das Leben vorbereitende Bildung nahezu entzogen. Denn die Sonder- und Förderschulen können nicht die gleichen Bildungsinhalte vermitteln, wie andere Schulen. Damit werden Behinderte bereits im Kindesalter aus der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gedrängt.
Später wandelt sich das Bild kaum. Aufgrund des fehlenden, qualifizierten Schulabschlusses haben behinderte Menschen kaum eine Chance auf die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt. Sie werden in Behindertenwerkstätten gedrängt, wo sie Arbeiten verrichten, die in vielen Fällen völlig unterbezahlt werden. Eine Ausbeutung der Menschen findet statt, nur um sie auf irgendeine Weise zu beschäftigen.
Durch das ständige Zusammenpferchen der behinderten Menschen mit anderen Behinderten, kommen auch keine sozialen Kontakte im „normalen“ Umfeld zustande. Behinderte bleiben unter sich und das besonders Traurige daran: Der Großteil der Gesellschaft findet diese Entwicklung völlig normal.
Sollte es einer behinderten Person doch einmal gelingen, eine reguläre Ausbildung zu erhalten, sind die Hürden, einen Arbeitsplatz zu finden, hoch. Zwar fördert der Staat behinderte Arbeitnehmer, so dass Arbeitgeber durchaus finanzielle Anreize geboten bekommen. Doch muss hierbei ebenfalls bedacht werden, dass behinderte Mitarbeiter einen deutlich höheren Kündigungsschutz erhalten. Sie können nur in seltenen Ausnahmefällen entlassen werden, so dass die Arbeitgeber an die einmal getroffene Entscheidung zur Einstellung eines Behinderten lange Jahre gebunden sind. Das schreckt viele Arbeitgeber ab, weshalb sie lieber auf die Einstellung verzichten, wenngleich dann eine entsprechende Ausgleichsabgabe gezahlt werden muss. Denn ab bestimmten Unternehmensgrößen ist es erforderlich, eine bestimmte Mitarbeiterzahl an Behinderten aufzuweisen.
Schwierig ist es für die behinderten Menschen auch, mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten. Bisher wurde einfach zu wenig Aufklärung betrieben, so dass gesunde Menschen erst eine gewisse Hemmschwelle überwinden müssen, um sich mit behinderten Menschen zu unterhalten oder mit ihnen gar eine Freundschaft zu pflegen. Durch diese Isolation tritt bei vielen Behinderten auch eine gewisse Depression und Lustlosigkeit auf. Sie werden von unserer Gesellschaft nicht als vollwertige Mitglieder anerkannt.